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Paloma Varga Weisz

21.04.2017 – 12.08.2017

 

Als Studentin der Holzbildhauerei wandte sich Paloma Varga Weisz der figürlichen Skulptur zu. Sie greift in vertraute Motive ein und macht sich die Geschichte der figürlichen Skulptur und ihren Bilderschatz zunutze, nicht ohne sie hintersinnig zu verändern – vom zierlichen Känguru neben dem Eingang bis zum weißen Gipsmann mit dem grotesken vogelähnlichen Kopf.

Die linke Raumhälfte ist besetzt von einer großen Tonne und einem Baumstamm. Darauf sitzt eine kleine Figur, die dem Betrachter den Rücken zuwendet auf den Bumped Body auf der gegenüberliegenden Wand schaut. Die Frau, deren Gesicht aus der abstrakten versilberten Form tritt, scheint darin eingeschlossen. Der Sitzende ist zur Gänze mit farbig getönten und gefirnissten Beulen übersät. Seinem unbeteiligten Gesichtsausdruck zum Trotz stammt er aus der Bilderwelt der Pestkranken, so wie der in der Tonne abgelegte Körper auf Goyas Szenen aus dem Krieg anspielt.

In Varga Weisz’ phantastischer Figuration sind die Übergänge von der belebten in die unbelebte Welt nicht festgelegt. Oft sind Körper verkleidet wie in Korbmann und Korbfrau, in der Hängenden, die zu einer engelhaften Ausdrucksfigur wird, oder in der weiß gewandeten Knabenfigur von Still-Life, über der chemische Transformationsgefäße ausgebreitet sind. Im schwarzen Liegenden wird der nackte Körper wie in einer Sektion in Teile zerlegt.

Im Innenraum sitzt ein zweiter Beulenmann auf einem Schemel, umgeben von Zeichnungen und Aquarellen, in denen Motive der Skulpturen wiederkehren – menschliche und tierische. Hier lässt Varga Weisz ihrer Phantasie freien Lauf, manipuliert Menschliches und Animalisches, billigt den Tieren menschliche Rollen zu und rückt menschliche Figuren durch Eingriffe aus ihrem Dasein. In ihrer Verspieltheit, aber auch in den jähen Sprüngen von Ausdruck und Stimmung, erinnern diese Blätter an die Keramikfiguren, mit denen der Rundgang begonnen hat.

 

Dieter Schwarz