
Reiner Ruthenbeck
Kuratiert von Dieter Schwarz
11.04.2025 – 07.12.2025
Eröffnung: Sonntag, 13.04.2025 von 12–17 Uhr
Reiner Ruthenbeck zählt zu der Künstlergeneration, die in den 1960er Jahren die bestehenden Formen der Skulptur in Frage stellte und neue Arbeitsweisen entwickelte. Als gelernter Fotograf reiste er in den 1950er Jahren nach Paris, wo er mit dem Surrealismus in Berührung kam. Ruthenbecks Blick durch das Objektiv galt den gewöhnlichen Dingen des Alltags, die in der Stille ihr eigenes Leben entfalten. Diese Magie geht auch von Ruthenbecks ersten Objekten aus, in denen man im Vertrauten dem Fremden begegnet.
Ruthenbecks ungewöhnlichste Arbeiten sind die Aschehaufen, mit denen er um 1970 bekannt wurde. Grobkörnige Schlacke wird zu Haufen aufgeschüttet, die von Vierkantrohre oder dünnen Stahlstäben gequert werden. Es entsteht eine Situation von subtiler Spannung zwischen den von der Schwerkraft geformten Haufen und dem starren Stahl. Ruthenbeck setzte diese Gedanken in Papierhaufen fort, fragilen Volumen im Raum. In seiner Arbeit erstarrt Handlung zu einem Bild.
Ruthenbeck war fasziniert von den sinnlichen Eigenschaften bescheidener Materialien, aus denen sich wie von selbst Werke ergaben. Bevorzugt arbeitete er mit Holzlatten, Baumwollstoff und Metallplatten. Einfach und zugleich raffiniert war sein Umgang damit: Entscheidungen sind auf ein Minimum beschränkt, Formen und Spannung entstehen durch das Gewicht und die Aufhängung des Materials. Damit ändern sich Erscheinung, Anmutung und Ausstrahlung. Plastische Formen sind dem Material nicht aufgezwungen, sie ergeben sich wie von selbst. Die Titel der Werke beschreiben, was es zu sehen gibt. Indem Ruthenbeck die Materialien in Gegensatzpaaren anordnete – schwarz/weiß, blau/rot, hart/weich, offen/verborgen –, erzeugen sie eine das Materielle negierende Abstraktion und damit ein Gefühl von Einheit, von Ganzheit, von Ruhe. “Nicht Völle, sondern Fülle!”, war Ruthenbecks Wahlspruch.