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Harald Klingelhöller
Schneefall erzählt

02.09. – 11.12.2022
Kuratiert von Dieter Schwarz

 

Harald Klingelhöllers Skulpturen haben eine sprachliche und eine materielle Seite. Klingelhöller stellt keine Abbildungen her, dafür verschiedene Versionen eines Titels; Titel und Skulptur sind materiell verknüpft. So entspricht die Länge der Wörter den Abmessungen von Schrankschubladen oder Sternen; es gibt den Schatten, den eine Skulptur wirft, oder die Ausschläge des Sonagramms, das einen gesprochenen Satz festhält.
Der Titel Im Traum der Träumer erwachen die Geträumten (Kette) evoziert den Raum des Traums. Es werden zwei Versionen gezeigt – eine Kette aus Aluminiumgliedern, die den Raum gliedert, und eine zweite mit Kupferelementen, die sternförmig auf dem Boden ausgelegt sind.
Überall tun sich Verweispaare auf – zwischen dem materiellen Gewicht der Sterne und der immateriellen Ferne, die ihre Titel evozieren, den Skulpturen und ihren in Metallbleche übertragenen Schatten und zwischen Schwarz und Weiß – Licht und Dunkel.
Klingelhöller entwirft Möglichkeiten anstelle einer endgültigen Lösung, Modelle im Maßstab 1:1. Die Skulptur ist kein festes, verschweißtes, verschraubtes oder verklebtes Objekt, sie besteht aus einzelnen Teilen, die lose ineinandergefügt sind. Die Schattenversionen sind in Schachteln aus schwarzem Stahlblech aufbewahrt; ihr Gewicht hält die Wände der Schachteln zusammen. In den schwebenden Versionen ergänzen sich die Teile, um den Zustand des Schwebens zu erreichen.

Wie ihr Titel andeutet, lässt sich die Ausstellung als Erzählung ohne Anfang und Ende lesen, die der elliptisch geformten Skulpturenhalle folgt. Sie beginnt in der Rotunde mit dem Thema Abend und Traum, es folgt die Frage nach Leben und Tod, danach der Objektverlust; in den Schattenversionen kehrt man zu den Räumen des Traums zurück.

 

Dieter Schwarz